Eine alte Familientradition: Unser Stollenrezept

Ein Weihnachtsfest ohne unsere traditionellen Weihnachtsstollen ist in unserer Familie undenkbar. Die Weihnachtsplätzchen kommen erst an zweiter Stelle. Eigentlich sind es gar keine Stollen, sondern geflochtene Weihnachtsstriezeln, wie sie meine Großmütter aus ihrer alten Heimat, der Iglauer Sprachinsel (an der böhmisch-mährischen Grenze im heutigen Tschechien) mitgebracht haben.

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Das Rezept kann man zwar so ähnlich auch in manchem Kochbuch finden. Der besondere Geschmack ergibt sich aber aus der Größe (drei Kilo Mehl für vier Striezeln) und der geflochtenen Form. So große Striezeln bleiben innen einfach saftiger und schmecken deshalb auch besser, da sind sich alle Familienmitglieder einig. Deshalb bestehen sie auch darauf, dass sie jedes Jahr genau so gemacht werden. Ich habe das Rezept in den letzten Jahren etwas abgewandelt in Richtung Mandelstollen, denn die Kinder essen die vielen Rosinen nicht so gern.

Hier die Zutaten (ergibt 4 Stück):

3 kg Mehl (Wiener Griessler)

240 g Hefe (6 Päckchen)

750 g Butter (3 Päckchen)

500 – 600 g Zucker

3 Teelöffel Salz

1 Messerspitze Muskatblüte

1 abgeriebene Zitronenschale + Saft

200 g Zitronat (sehr fein zerkeinern!)

150 g Orangeat (sehr fein)

500 g Rosinen oder Sultaninen (in Rum einweichen)

750 g Mandeln (gestiftelt, blättrig und gehackt – mischen)

1 l Milch

Alle Zutaten zimmerwarm!

Hefe mit 2 Löffeln Zucker in lauwarmer Milch (1/8 Liter) in einem Topf zerbröseln und anrühren, bis sie flüssig ist, dann mit Mehl leicht überstäuben, zudecken und warten, bis sie aufgegangen ist.

Mehl in eine große Schüssel geben, Hefedämpfel in die Mitte schütten, etwas vermischen.

Zimmerwarme Butter schaumig rühren, Gewürze und Salz dazu,  mit der Milch  ins Mehl einrühren und alles vermischen.

Teig sehr gut kneten und abschlagen (hier muss mein Mann helfen, denn sonst gibt es Muskelkater! Die Menge ist für kleine Küchenmaschinen zu groß.)

Jetzt Rosinen, Zitronat, Orangeat und Mandeln einarbeiten.

Zugedeckt über Nacht kalt gehen lassen (in einer kühlen Speisekammer oder im Keller).

So entsteht der Zopf:

Am nächstenTag den Teig in vier gleich große Teile teilen. Jede Portion nochmals gut durchkneten und dann zu einem länglichen Laibchen formen.

Von dem Laibchen vorne und hinten die beiden Spitzen abschneiden (sie dürfen etwas weniger wiegen, denn sie ergeben die oberste gedrehte Reihe des Zopfes), den Rest in acht gleich schwere Teile zerteilen (ungefähr 180 – 190 g  – Waage!)

Aus allen Teigteilen jetzt Stränge rollen (am besten immer nur in eine Richtung, nicht hin und her, denn sonst spaltet sich der Teig aufgrund der Zutaten auf).

Unterste Lage:

5 Stränge an einer Seite zusammendrücken und dann abwechselnd immer den äußersten Strang über zwei Mittelstränge legen – es entsteht ein breiter Zopf. In der Mitte mit der Hand etwas flach drücken und die Mulde mit Ei einpinseln, damit der nächste Zopf hält.

Mittlere Lage:

Aus 3 Strängen einen ganz normalen Zopf flechten. Auf den unteren Zopf legen, kleine Mulde drücken und mit Ei einpinseln.

Oberste Lage:

Die Stränge aus den beiden Spitzen miteinander verdrehen und auf den mittleren Zopf legen – fertig ist der Striezel.

Jetzt nochmal mit einem Küchentuch zugedeckt nicht zu warm gehen lassen und dann ungefähr eine Stunde bei 180° – 200° bei Ober-und Unterhitze backen. Abdecken, damit er nicht zu dunkel wird!

Nach dem Backen ordentlich mit flüssiger Butter einpinseln und mit Staubzucker bestreuen.

Gut eingepackt ungefähr zwei Wochen lagern.

Da wir etliche Stollen zum Fest verschenken, backen wir aus der doppelten Menge Mehl jedes Jahr acht Stollen bzw. Striezeln, allerdings nicht auf einmal. Für die Familie teile ich nach der Reifezeit die Striezel in zwei Teile und friere sie ein, damit sie nicht zu trocken werden.

Das hört sich jetzt viel komplizierter an als es ist. Wenn man sich die nötige Zeit und Ruhe dafür nimmt, hin und wieder einen Becher Glühwein trinkt und schöne Weihnachtsmusik hört, dann ist das Stollenbacken ein Teil der Vorweihnachtszeit, den man nicht missen möchte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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2 Kommentare

  1. Liebe Brigitte,

    das ist schon ein besonderer Stollen, zumal so viel Familiengeschichte dahintersteckt.
    Schöne Aufnahmen und detallierte Beschreibung der Arbeitsschritte.
    Vielen Dank, dass auch wir in den Genuss des Traditionsgebäcks kommen.

    Weihnachtliche Grüße
    Karin und Bernd

    • Liebe Karin, lieber Bernd,
      vielen Dank für Eueren netten Kommentar. Wir hoffen sehr, der Stollen hat auch dieses Jahr geschmeckt.

      Liebe Grüße und einen guten Rutsch ins neue Jahr

      Brigitte und Franz

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